Gedankenkarussell: Eingewöhnung bei der Tagesmutter

Fremdbetreuung

Jetzt ist es auch bei uns soweit. Mit genau 19 Monaten fing für Emil die Eingewöhnung bei der Tagesmutter an. Zwei Wochen sind bereits vorbei. Mit gemischten Gefühlen und dennoch dem Glauben, dass es gut wird, haben wir mit der Eingewöhnung begonnen. Es ist und bleibt eine Fremdbetreuung. Ein Thema bei dem die Meinungen auseinander gehen, das hin und wieder sicherlich auch polarisiert.

Ich hatte mit unserer Tagesmutter immer ein sehr gutes Gefühl und habe es noch immer. Dennoch fällt mir und Emil die Eingewöhnung etwas schwer. Mein kleines Gegenstück fehlt mir. Wundervolle 19 Monate haben wir gemeinsam Zuhause verbracht und jetzt hat uns der Alltag eingeholt. Zuhause laufe ich wie Falschgeld durchs Haus. Gerade in den ersten Tagen allein zu Hause, wusste ich einfach nichts mit mir anzufangen und das, obwohl es nur drei Stunden waren! Vielmehr machte ich mir Gedanken, wie es in wenigen Wochen aussehen wird, wenn auch ich wieder Arbeiten muss und die Stunden sich verdoppeln werden. Und ich realisiere, dass es nicht nur eine Eingewöhnung für Emil ist, sondern irgendwie auch für mich.

Die Gefühle fahren Achterbahn

Die erste Woche Eingewöhnung lief alles prima. Auch die ersten 1,5 Stunden alleine meisterte Emil fröhlich und spielte fleißig im Garten. Ich saß derweilen vor dem Haus. Nicht wissend was ich fühlen oder denken sollte. Die Momente, in denen wir in den letzten Monaten seit seiner Geburt längere Zeit getrennt waren, kann ich an einer Hand abzählen. Ich dachte schon: „Ok, prima. Das klappt ja gut. So schnell bin ich also abgeschrieben?“ Und dennoch freute ich mich, dass es ihm leicht fiel.

Nur wenige Tage später fühle ich mich wie die schlimmste Rabenmutter der Welt. Seit Ende der zweiten Woche beginnt Emil zu realisieren, dass dies jetzt sein neuer Alltag ist. Ohne Mama. Der Abschied fällt gefühlt jeden Tag schwerer und endet in reichlich herzzerreißenden Tränen. Derzeit möchte er nicht mal mehr morgens sein Zuhause verlassen. Mein Mamaherz blutet und ich muss mich zusammenreißen, nicht auch in Tränen auszubrechen (was ja alles nur schlimmer machen würde).

Das erste Mal ihn weinend zurückzulassen, nicht mehr umzudrehen. Das war wahrscheinlich der schwerste Moment in den letzten Monaten für mich. In diesen Momenten wünsche ich mir manchmal das „alte Rollenmodell“ zurück. Tun wir da das Richtige für unsere Kinder? Wenn wir sie in die Fremdbetreuung geben? Kommt der Ernst des Lebens nicht noch früh genug? Auf einmal fühlt sich diese Welt für mich ungemütlich und kalt an, um im nächsten Augenblick mir zu beweisen, dass alles seinen positiven Lauf nehmen wird. Nämlich wenn ich klein Emil wieder abhole und er mir freudestrahlend entgegenläuft und mir die Tagesmutter berichtet, dass es ein richtig guter Tag geworden ist. Trotz tränenreichem Abschied am Vormittag.

Eingewöhnung für Mama und Emil

Der kleine Emil ist so groß geworden, er hat so vieles gelernt, er versteht alles und hat so einen großen, starken Willen. Durch die Eingewöhnung sehe ich nun wieder, dass neben diesem großen, starken Willen auch immer noch der kleine Emil da ist. Der kleine Emil, der seine Mama braucht. Und wir beide Zeit benötigen, um uns an unseren neuen Alltag zu gewöhnen.

Ich weiß, dass es ihm langfristig gut tun wird und er auch Freude daran hat mit anderen Kindern zu spielen. Und ich bin dankbar, dass wir eine tolle Tagesmutter gefunden haben, die wunderbar einfühlsam und ruhig mit ihm umgeht. Außerdem haben wir das Glück, dass er derzeit das zweite Kind dort ist und die weiteren Kinder erst nach und nach dazu kommen werden. So ist es für ihn ein sehr sanfter Einstieg und eine sanfte Eingewöhnung. Ich mag mir nicht vorstellen, wie die Eingewöhnung in einer Krippe geworden wäre. Mit noch mehr Kindern und einem viel, viel höherem Lärmpegel.

Der Glaube an ein Happy End

Der Glaube an ein Happy End und das Wissen, dass er dort fröhlich spielt, wenn ich weg bin, lässt mich stark bleiben.

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